Donnerstag, 15. Oktober 2015

Gedanken...

Wir schreiben den 15. Oktober 2015, gestern fiel in einigen Teilen des Landes bereits der erste Schnee. Bei mir noch nicht, an Motorrad fahren ist dennoch nicht zu denken, denn kalt ist es trotzdem!

Kalt ist ein gutes Stichwort, denn so viel Kälte gegenüber Menschen wie in den letzten 12 Monaten habe ich hier in Deutschland noch nie erlebt. Das mag im August 1992 zu Zeiten der Ausschreitungen in Rostock-Lichtenhagen vielleicht ähnlich gewesen sein, aber da war ich erst 12 und bekam das nur am Rande mit.

Ich finde es erschreckend und sehr bedauernswert, dass viele Menschen, die 2006 noch unter dem Motto "Die Welt zu Gast bei Freunden" über Wochen eine riesige Fußball Party feierten, jetzt plötzlich so offen und ehrlich über Ausländer im Allgemeinen und Flüchtlinge im Speziellen hetzen. Wenn es nur dabei bliebe wäre es schon schlimm genug, aber seit 2007 gab es zudem fast 800 Übergriffe auf Flüchtlingsunterkünfte in Deutschland, über 500 davon alleine in diesem Jahr. Das ist dann diese christlich geprägte Kultur auf die viele dieser Menschen so Stolz sind!?
Zweifelsfrei sind ganze viele dieser sogenannten "Besorgten BürgerInnen" unwissend und leichte Opfer für Bauernfängerei, aber ein anderer großer Teil dieser Menschen hat auch begründete Ängste und Sorgen die man in einer normalen Diskussion wahrscheinlich ausräumen oder zumindest relativieren könnte. Statt dies aber von der Politik zu fördern und für Dialog zu sorgen wartete man wie so oft unter Merkel viel zu lange ab (vielleicht auch aus kalkül) um zu sehen wie sich die Dinge entwickeln und ob überhaupt Handlungsbedarf besteht.
Die Gegenseite der "Besorgten BürgerInnen", gerne auch "Gutmenschen" genannt, machte dann leider zu oft den Fehler sich mit den Schreihälsen zu duellieren statt auf die tatsächlich bestehenden Ängste einzugehen und pauschalisierte einfach alle als "Nazis".
Die Fronten sind mittlerweile so verhärtet, dass wenn man sich in eine "Diskussion" zum Thema einbringt entweder "Nazi" oder "Gutmensch" ist, ein dazwischen gibt es nicht mehr und die eigentlichen Probleme, Ängste, Sorgen gerieten schon lange völlig aus dem Fokus. Eine Diskussion ist kaum mehr möglich und AfD sowie CSU nutzt diese Lage aus und macht weiter Stimmung um Wähler zu gewinnen, leider mit Erfolg. Ein Seehofer poltert das Bayern überfordert ist, dabei kritisiert er sich selbst ohne es zu merken da er und seine Ministerpräsidentenkollegen/innen alle Anzeichen bis praktisch jetzt ignoriert haben und fast nichts in den letzten Jahren unternommen haben um darauf vorbereitet zu sein.

Aber ich will nicht auch den Fehler machen und zu sehr auf einer bestimmten Gruppe rumhacken, fest steht bei allen gibt es Menschen mit denen man objektiv diskutieren kann und auch nur mit denen macht es Sinn, alle die zu sehr von blindem Hass auf andere zerfressen sind wollen gar keinen Dialog, sie haben ihre Meinung und rücken davon auch durch Argumente nicht ab. Vielleicht muss man für den Moment einfach so ehrlich sein und sagen, du hast deine Chance gehört zu werden verwirkt. Entweder reflektierst du deine Einstellung oder aber wir kommen auf dich zurück wenn wir wieder Zeit haben, denn aktuell gibt es wichtigeres zu tun als sich um dich zu kümmern!

Ich appelliere deshalb an alle die nicht völlig verblendet sind, die in der Lage sind auch andere Anschauungen/Meinungen zuzulassen und ihren Standpunkt argumentativ darlegen können aber auch aufgrund guter Argumente in der Lage sind ihn zu revidieren. Lasst uns basierend auf den Menschenrechten eine Lösung finden, bei der auch eventuelle Probleme offen angesprochen werden können, sei es Pro oder Contra ohne als "Nazi"/"Gutmensch" abgestempelt zu werden.
Vielleicht müssen jetzt die etwas lauter werden die bisher im Krawall der 2 Lager untergingen. Es ist auch unser Land und ich will nicht in einem leben in dem es zur Gewohnheit wird das Häuser brennen oder gefordert wird Menschen zu hängen. Die Entwicklung unserer Spezies müsste im Jahr 2015 eigentlich weiter sein.

gezeichnet,
ein Mensch der friedlich, in Freiheit, mit anderen Menschen zusammenleben möchte

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